Photovoltaik überholt Atomkraft – der weltweite Strommix verändert sich
Ein bemerkenswerter Vergleich
Noch 2015 erzeugten Solaranlagen weltweit gerade einmal 256 Terawattstunden Strom – Atomkraftwerke lieferten damals rund zehnmal so viel. Nur zehn Jahre später sieht das Bild völlig anders aus.
Nach dem „Global Electricity Review 2026“ des Thinktanks Ember stieg die weltweite Solarstromerzeugung 2025 um 30 Prozent auf 2.778 Terawattstunden. Die Atomkraft kam auf rund 2.812 Terawattstunden. Aufs ganze Jahr gerechnet fehlte der Photovoltaik damit nur noch gut ein Prozent. Zugleich zog Solarstrom 2025 erstmals an der Windenergie vorbei.
Noch deutlicher wird die Entwicklung im Monatsvergleich: Im April 2025 erzeugten Solaranlagen weltweit erstmals mehr Strom als Atomkraftwerke – und blieben bis in den September hinein darüber. Damit ist eine Marke erreicht, die vor wenigen Jahren kaum jemand so früh erwartet hätte.
2026 dürfte Solar auch aufs Jahr gerechnet vorbeiziehen
Entscheidend ist allerdings nicht ein einzelner sonniger Monat, sondern die Entwicklung über das gesamte Jahr – und auch hier zeichnet sich der nächste Schritt bereits ab.
Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für 2026 mit einem weiteren Zuwachs der weltweiten Solarstromerzeugung um rund 600 Terawattstunden. In ihrem aktuellen Bericht geht sie davon aus, dass die Photovoltaik 2026 sowohl die Windkraft als auch die Atomkraft bei der weltweiten Stromerzeugung überholt. Zur selben Einschätzung kommt Ember.
Bemerkenswert ist vor allem das Tempo: Allein der zusätzliche Solarstrom deckte 2025 nach Berechnungen der IEA rund 70 Prozent des weltweit gestiegenen Stromverbrauchs. Ember kommt auf einen ähnlichen Wert: Drei Viertel des zusätzlichen Strombedarfs wurden durch das Wachstum der Solarenergie gedeckt.
Solarenergie wird zur tragenden Säule
Der Vergleich mit der Atomkraft zeigt vor allem eines: wie grundlegend sich die weltweite Stromversorgung gerade verändert. Dabei geht es weniger um einen Wettbewerb zweier CO₂-armer Technologien als um das enorme Tempo, in dem sich Photovoltaik ausbauen lässt.
Solaranlagen entstehen auf Wohnhäusern, Gewerbehallen und kommunalen Gebäuden ebenso wie auf Freiflächen und Parkplätzen. Diese Vielfalt macht einen Ausbau möglich, der den globalen Strommix inzwischen spürbar verändert.
Ende 2025 waren weltweit rund 2.800 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert. Damit war Solar nach Angaben der IEA die Stromerzeugungstechnologie mit der weltweit größten installierten Leistung.
Für die Energiewende ist das eine gute Nachricht – und zugleich eine neue Aufgabe. Je mehr Solarstrom erzeugt wird, desto schneller müssen Netze, Speicher, flexible Verbraucher und intelligente Steuerung mitwachsen. Denn künftig geht es nicht mehr allein darum, möglichst viele Photovoltaikanlagen zu bauen, sondern zunehmend darum, die großen Mengen günstigen Solarstroms zur richtigen Zeit sinnvoll zu nutzen.
Genau darin liegt die nächste Phase der Energiewende: Die Photovoltaik entwickelt sich von einer ergänzenden Technologie zu einer tragenden Säule der weltweiten Stromversorgung.
Quellen: International Energy Agency (IEA): Electricity 2026 und Global Energy Review 2026 Ember: Global Electricity Review 2026 World Nuclear Industry Status Report 2025
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