Wer Netzentgelte kassiert, muss auch Netzanschlüsse liefern
Die Energiewende scheitert nicht am Engagement der Menschen vor Ort. Bürgerinnen und Bürger investieren in Photovoltaikanlagen, Kommunen stellen Dächer zur Verfügung, Unternehmen wollen ihren Strom selbst erzeugen, Speicherprojekte stehen bereit. Doch immer häufiger wird nicht die Finanzierung, die Technik oder die Bereitschaft zum Problem – sondern der Netzanschluss.
Ein aktueller Bericht des SPIEGEL auf Grundlage einer Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft zeigt: Viele große Verteilnetzbetreiber erzielen offenbar seit Jahren hohe Renditen. Für 2024 nennt der Bericht bei den 18 größten regionalen Stromnetzbetreibern eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von rund 24 Prozent. Einzelne Unternehmen sollen sogar deutlich darüber liegen.
Das ist besonders relevant, weil Verteilnetzbetreiber keine normalen Unternehmen im Wettbewerb sind. Sie betreiben regionale Monopole. Stromkundinnen und Stromkunden können sich ihren Netzbetreiber nicht aussuchen. Bezahlt wird der Netzbetrieb über die Netzentgelte – also über einen erheblichen Bestandteil der Stromrechnung.
Natürlich müssen Stromnetze finanziert werden. Der Umbau des Energiesystems kostet Geld. Mehr Photovoltaik, mehr Wärmepumpen, mehr Elektromobilität, mehr Speicher und mehr flexible Verbraucher erfordern Investitionen in Leitungen, Trafostationen, Digitalisierung und Steuerbarkeit. Daran gibt es keinen Zweifel.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Kommt das Geld auch dort an, wo es für die Energiewende gebraucht wird?
Viele Bürgerenergieprojekte erleben in der Praxis etwas anderes: lange Wartezeiten, komplizierte Abläufe, unklare Zuständigkeiten, verzögerte Netzanschlüsse und fehlende digitale Prozesse. Auch der Smart-Meter-Rollout kommt seit Jahren nur schleppend voran. Gleichzeitig steigen die Netzentgelte und belasten Haushalte, Unternehmen und die Akzeptanz der Energiewende.
Die Sonneninitiative fordert deshalb: Wer sichere Einnahmen aus einem regulierten Monopol erhält, muss auch verlässlich liefern. Netzbetreiber brauchen faire Rahmenbedingungen für Investitionen. Aber sie müssen zugleich an klaren Leistungen gemessen werden: schnelle Netzanschlüsse, transparente Verfahren, zügige Digitalisierung und eine Netzplanung, die dezentrale Erzeugung nicht ausbremst, sondern ermöglicht.
Bürgerenergie ist kein Störfaktor im Stromsystem. Sie ist ein zentraler Baustein der Energiewende. Jedes Bürgersonnenkraftwerk ersetzt fossile Stromerzeugung, schafft regionale Wertschöpfung und macht Menschen zu aktiven Teilnehmenden der Energiewende. Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, brauchen wir Stromnetze, die den Umbau aktiv unterstützen.
Die Diskussion über hohe Renditen der Verteilnetzbetreiber zeigt: Die Regulierung muss genauer hinsehen. Netzentgelte dürfen nicht den Eindruck erwecken, sichere Renditen zu ermöglichen, während Projekte vor Ort auf Anschluss, Zähler oder technische Freigaben warten.
Die Energiewende braucht keine neuen Bremsen. Sie braucht Netze, die mitziehen.